Warum ich mir die Social Media Diät verordnet habe

(und warum du das auch tun solltest)

in Persönliches, Mindset, Business · 1067 Worte

Was ist das Erste, das du morgens tust? Wie lenkst du dich ab, wenn du irgendwo warten mußt? Was machst du, wenn dir langweilig wird? Sehr wahrscheinlich greifst du zum Smartphone, um deine Social-Media-Feeds zu checken.

Beobachte dich doch mal selbst: Wo gehst du noch ohne Handy hin? Wie lange hältst du es aus, nicht auf den Bildschirm zu schauen? Und macht es dich unruhig, wenn das Gerät irgendwo im Off vibriert, auch wenn du eigentlich gerade mit etwas viel Wichtigerem beschäftigt bist?

Ich merke schon seit geraumer Zeit, wie meine Abneigung gegenüber Sozialen Medien immer größer wird. Der ganze Hype, das ständige Abgelenktsein, das Nicht-mehr-ohne-Können… das alles geht mir gehörig auf den Senkel. Und trotzdem habe auch ich mich immer wieder beim sinnlosen Scrollen ertappt. Aber ich wage mal zu behaupten, daß ich damit nicht allein bin.

Deshalb habe ich meinem Social Media Konsum seit ein paar Monaten radikal den Riegel vorgeschoben. Statt mehrerer Stunden sind es maximal noch ein paar Minuten täglich. Und was zunächst als Experiment gedacht war, hat meinen Alltag so fundamental verändert, daß ich dabei bleiben werde (mittlerweile überlege ich sogar, meine Social Media Accounts ganz einzustampfen). Und ich rate dir, zumindest auch mal drüber nachzudenken. Denn es ist…

Eine Epidemie

Jeden Tag konkurrieren etliche digitale Reize um unsere Aufmerksamkeit. Der Alltag ist so durchwoben vom Handygebrauch, daß es uns meist nicht mal auffällt. Am Mittagstisch, in der Warteschlange oder in der S-Bahn – jegliche potentielle Pause wird mit Bildschirmaktivität überbrückt. Die erodierte Aufmerksamkeit ist sozial akzeptabel, Leerlauf hingegen nicht. Dabei vergessen wir, daß “beschäftigt” nicht mit “produktiv” gleichzusetzen ist.

Egal ob wir reisen, ein Konzert besuchen oder ins Restaurant gehen – wir haben mehr damit zu tun, unser Leben zu dokumentieren, als es wirklich zu leben. Unser Online-Image zu pflegen, statt einfach zu sein. Uns virtuell mit Menschen zu connecten, die wir nicht mal kennen, statt im echten Leben Zeit mit Menschen zu verbringen, die wir wirklich schätzen. Und wir vereinsamen darüber immer mehr.

Wir sind ständig auf der Jagd nach dem nächsten Dopaminkick. Suchen Akzeptanz in Form von Likes, Herzchen und Followern. Wir sind süchtig nach Bestätigung und machen uns von Zahlen abhängig, die unser Ego streicheln, aber über unseren tatsächlichen Wert so viel aussagen wie ein Eimer Salzwasser über das Meer.

Und wir vergleichen. Wir messen unseren Alltag an den perfekt kuratierten Avataren der anderen und übersehen dabei, daß jeder Feed nur eine wohlüberlegte Zusammenstellung an Höhepunkten zeigt – eine Illusion, die unerreichbar ist. Es gibt immer jemanden, der mehr hat oder besser ist oder etwas Tolleres gemacht hat. Dieses Vergleichsspiel hat keinen Gewinner, nur Verlierer.

Kein Wunder also, daß wir Achtsamkeitscoaches brauchen oder Digital Detox Wochenenden, die uns wenigstens zeitweise unserem automatisierten Leben entreißen und uns daran erinnern, zu atmen.

Sollte uns das nicht ein klein wenig zu denken geben?

Der Preis, den wir zahlen

Wir denken, daß Social Media kostenlos sind. Aber in Wahrheit bezahlen wir mit dem Wertvollsten, das wir haben: Mit unserer Zeit und unserer Aufmerksamkeit. Und Leute wie Mark Zuckerberg verdienen sich eine goldene Nase, weil sie genau das an Werbefirmen verkaufen. Willkommen in der Aufmerksamkeitsökonomie.

Der durchschnittliche User verbringt 2 Stunden am Tag auf Social Media. Das sind über 700 Stunden im Jahr. Was könntest du wohl mit 700 Stunden anfangen, welche Ziele könntest du erreichen?

Die Technologie, die uns eigentlich miteinander verbinden sollte, läßt uns in Wirklichkeit auseinanderdriften (ganz zu schweigen von den Auswirkungen, die unser Rückzug in die eigenen Echokammern auf den politischen Diskurs hat).

Wundert es uns da noch, daß Phänomene wie Angst, Neid, FOMO, Konzentrationsschwäche und Depressionen immer weiter auf dem Vormarsch sind?

Was wir dabei vergessen

Follower und Reichweite werden heute gekauft, Algorithmen bestimmen darüber, wer unsere Posts sieht. Alles mit dem Ziel, uns möglichst lange auf der jeweiligen Plattform zu halten. Social Media sind darauf ausgelegt, uns süchtig zu machen.

Wir verwechseln Bestätigung mit Zuneigung. Applaus mit Leistung. Den Moment im Scheinwerferlicht mit nachhaltigem Erfolg und echter Wertschätzung. Wir können täglich ein lustiges Katzenvideo posten und damit die Likemaschinerie am Laufen halten. Aber wenn wir eine wahre Verbindung zu unserem Publikum herstellen wollen, dann gelingt das nur, indem wir etwas bieten, das langfristig Beachtung verdient hat.

Niemand wird sich bei deiner Grabrede daran erinnern, wieviele Follower oder welche Reichweite du hattest. Sondern wie du dein Umfeld bereichert hast.

Ein alternativer Weg

Das Bewußtsein für verantwortungsvollen Medienkonsum nimmt glücklicherweise zu. Neue Tools werden entwickelt, die uns dabei helfen sollen, unsere Online-Zeit zu beschränken. Einflußreiche Leute rufen zu Unfollow Fridays auf und Jugendliche starten Offline-Initiativen. Manche Experten prophezeihen sogar einen Massenexodus in den nächsten Jahren.

Wie wäre es also, wenn wir uns ein Stück in freiwilliger Selbstkontrolle üben?

Wir können unsere verlorene Zeit nicht zurückgewinnen. Aber wir können dafür sorgen, daß wir ab sofort achtsamer mit unserer Zeit umgehen:

  • Das nächste Mal, wenn du dich dabei ertappst, sinnlos durch Facebook, Twitter oder Instagram zu scrollen, frage dich ob dir das mehr wert ist als die Zeit, die du dafür verlierst. Und wenn nicht, dann mach das Gerät aus.
  • Laß das Smartphone daheim, wenn du einkaufen oder Sport machen gehst.
  • Verordne dir selbst Offline-Zeit und starte morgens ohne Handy in den Tag.

Wir müssen unsere Aufmerksamkeit bewußt kultivieren und trainieren, genau wie Körper und Geist. Erst durch tiefe Konzentration auf eine Sache kann Flow entstehen, dieser magische Zustand, in dem wir wahrhaft Großes leisten können. Erst wenn wir wieder mehr in die Tiefe gehen statt in die Breite, treten wir wirklich mit uns selbst und anderen in Verbindung. Und erst dann beherrschen wir die Technologie statt sie uns.

Laßt uns in tiefen Gesprächen versinken statt in seichter Ablenkung. Über Wiesen hüpfen statt durch den Cyberspace rasen. Laßt uns auf einsame Gipfel steigen und der Stille lauschen. In eiskalte Bäche springen und Bienen vor dem Ertrinken retten. Auf windigen Felsklippen sitzen und aufs Meer hinausschauen, bis es dunkel ist. Laßt uns das mit allen Sinnen wahrnehmen, statt nur zu dokumentieren.

Unsere Aufmerksamkeit ist das Einzige, worüber wir im Leben wirklich Kontrolle haben.

Laßt sie uns nicht verschwenden.

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2 Kommentare zu “Warum ich mir die Social Media Diät verordnet habe”

  1. A.L.

    Ein sehr guter Beitrag. Ich werde ihn für meinen Alltag einbeziehen.

    Antworten

    1. Birgit

      Danke! Freut mich, wenn der Artikel nützlichen Input liefern konnte.

      Antworten

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Über Birgit:

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