Oft kommen zukünftige Hundebesitzer in Versuchung, sich den Hund vor allem anhand des Aussehens auszusuchen. Viele dieser “Matches” enden mit ungeahnten Herausforderungen oder sogar einer Abgabe.
Ich will hier daher ein Rasseportrait für einen Hund abgeben, der (nebst vielen anderen guten Eigenschaften) mit Intelligenz, Charme, einem liebenswerten Aussehen und einer praktischen Größe punkten kann, der jedoch auch verschiedene Anforderungen an seinen Halter stellt: Der Islandhund.
Vorweg sei gesagt, daß ich diese Beschreibung vor allem auf meine Erfahrung mit meinem eigenen Islandhund und Bekanntschaften mit anderen Rassevertretern fuße, daß es jedoch wie bei jeder Rasse letztendlich auch auf das Individuum, seine Aufzucht, seine Erfahrungen im Leben ankommt. Deshalb sei hier alles als Tendenz zu lesen, nicht jedoch als in Stein gemeißelte, absolute Wahrheit.
Ich hoffe, mit diesem Artikel nicht nur Hundefreunden bei der Entscheidung zu helfen, sondern auch Verständnis für die Eigenheiten des Islandhundes zu wecken.
Typisch Isi: Ein gewinnendes Lächeln und ein gewisses Interesse für alles, was sich in der Luft bewegt
Was also macht den Islandhund aus?
Diese Hunde sind, ähnlich wie die Islandpferde, über viele Jahrhunderte lang in fast völliger Isolation von anderen Rassen entstanden. Der Islandhund wäre zweimal fast ausgestorben, bis der engagierte britische Islandfreund Mark Watson die letzten reinrassigen Vertreter für ein Zuchtprogramm gesammelt hat und damit den Grundstein für die heute vom VDH, dem AKC, der FCI und dem britischen The Kennel Club anerkannte Rasse legte.
Der Islandhund, auch Isländischer Schäferhund (oder in der Originalsprache: Íslenski Fjárhundurinn) ist ein knapp mittelgroßer Gebrauchshund im Spitztyp, was er u.a. durch die geringelte Rute und sein gewinnendes “Lächeln” verrät.
Die Hunde waren traditionell das Schweizer Taschenmesser der isländischen Bauern – sie wurden nicht nur zum Treiben der Schafe (im Herbst vom Hochland ins Tal und den Sommer über von den Feldern) genutzt, sondern auch zum Vertreiben von Raubvögeln, welche den Lämmern und zum Trocknen aufgehängten Fischen gefährlich werden konnten, und zum freundlichen Melden von Besuchern. Außerdem waren sie auf den einsam gelegenen Höfen oft der beste Freund der Kinder.
Und da sind wir auch schon bei drei Hauptkmerkmalen des Islandhundes: Seiner Eigenständigkeit in Verbindung mit Triebstärke und Lautfreudigkeit.
Posen ist eins von Boltis Lieblingshobbies, und er wird dafür gut bezahlt
Jepp: Der Islandhund ist bellfreudig und selbständig
Der Islandhund ist tendenziell ein sehr stimmgewaltiger Hund, der außerdem gerne mal impulsiv handelt und im Zweifel auch nicht erst auf einen Befehl wartet. Da werden vorbeifahrende Autos kommentiert oder auf dem Feld sitzende Raben. Mein Bolti kann sich von der Fliege bis zum Flugzeug so ziemlich über alles empören und dreht recht schnell auf. Dessen muß man sich bewußt sein, wenn man einen Islandhund in sein Leben holen will, und es frühzeitig in erzieherische Bahnen lenken.
Der Islandhund ist außerdem schlau und lernt schnell. An sich eine tolle Eigenschaft, jedoch muß man sich auch bewußt sein, daß ein typischer Rassevertreter Grenzen testen und immer wieder ganz charmant die menschliche Führungskompetenz hinterfragen wird. Da ist liebevolle Konsequenz mit dem Hund einfach unabdingbar.
Seine große Freiheitsliebe sollte man dem Isländischen Schäferhund unbedingt verantwortungsvoll gewähren:
Der Islandhund braucht sowohl körperlich als auch geistig viel Auslastung, denn er ist für die weiten Landschaften Islands gemacht und ist dort einen großen Teil des Tages immer in Bewegung.
Ein echter Naturbursche – wie gemacht für gemeinsame Abenteuer
Als Stadthund wird der Isi daher kaum glücklich werden. Will man einen Islandhund seinem Naturell entsprechend auslasten, dann gönnt man der kleinen Sportskanone lange Spaziergänge und ein oder zwei Hobbies für Körper und Köpfchen. Ich kenne Islandhunde, die gerne Agility, Zugsport oder Mantrailing machen. Mit meinem Bolti gehe ich gerne Canicrossen und natürlich auf den Berg. Unser liebstes gemeinsames Konzentrationshobby ist tatsächlich die Fotografie – das Posieren haben wir frühzeitig trainiert und vor der Kamera kann sogar mein kleiner Hibbelmeister minutenlang stillstehen, falls nötig. :-)
Ob ein Islandhund in der Natur frei laufen kann, hängt u.a. auch davon ab, wie viel Aufwand der Zweibeiner in die Erziehung stecken will – nach meiner Erfahrung ist Jagdtrieb auf jeden Fall vorhanden.
Ein Thema, das man frühzeitig angehen sollte, ist außerdem das Alleinebleiben. Leider bekomme ich immer wieder Abgabehunde zu sehen, die unter starker Trennungsangst leiden, und auch mit meinem Bolti klappt das ehrlicherweise noch nicht so gut.
Gesundheit und Robustheit des Islandhundes
Als Nicht-Modehund und Urtyp ist der Isi im Vergleich zu vielen anderen Rassen zum Glück pumperlgesund und mit seinem dichten Doppelfell auch für jedes Wetter zu haben. Ein verregneter Nachmittag ist für den Naturburschen noch lange kein Grund, auf der Couch zu bleiben, wenn auch die Runde schon mal etwas kürzer ausfallen darf.
Zuchttiere vom Qualitätszüchter sind ausnahmslos auf HD (Hüftdysplasie) und Augenkatarakte geprüft; allgemein erfreut sich der Isi oft bis ins hohe Alter von 15 und mehr Jahren bester Gesundheit.
Schnee und Eis: Ja bitte, in der Reihenfolge! :-)
Fazit: Der Islandhund ist der perfekte Hund – aber nicht für Jeden!
Man sollte also sowohl sich selbst gründlich auf den Prüfstand stellen, als auch den Züchter des zukünftigen Hundes, wenn man einen Islandhund in sein Leben lassen will. Denn der Grundstein für einen wesensfesten Hund wird vor allem in den ersten Wochen – und genau genommen schon während der Trächtigkeit – gelegt.
Eher auf einen Islandhund verzichten sollten Leute, die…
- sich nicht gerne in der Natur bewegen
- den Hund täglich viele Stunden allein lassen wollen
- keinerlei Erfahrung mit Hunden haben und keine Zeit in Hundetraining investieren wollen
Wer sich der Herausforderung Islandhund stellt, bekommt einen in höchstem Maße menschen- und besonders kinderfreundlichen, fröhlichen und gewitzten Begleiter für alle großen und kleinen Abenteuer. Und außerdem einen Conversation Starter im außergewöhnlichen Look – denn der Islandhund ist gottseidank keine Moderasse, und das wird hoffentlich auch so bleiben :-)
Fun Facts über den Islandhund:
- Der „Internationale Tag des Islandhundes“ wird am 18. Juli begangen. In entsprechenden Facebook-Gruppen tauschen sich Rasseliebhaber an diesem Tag ganz besonders intensiv mit Bildern und Geschichten aus.
- Das erste Islandhunde-Museum ging im Sommer 2025 in Nordisland an den Start. Auf der schön gepflegten Website findest du reichlich Infos zum Islandhund.
- Lesenswerter Artikel vom Schweizer Islandhundeclub im Schweizer Hunde Magazin (PDF)
Der Islandhund ist der perfekte Begleiter für alle gemeinsamen Abenteuer – wenn man ihn zu nehmen weiß.
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