Interview mit Franziska von der Windelei

Region Aktiv · 1901 Worte

In dieser Interviewreihe stelle ich immer wieder Menschen und Unternehmen vor, die mir aufgefallen sind. Weil sie etwas Bemerkenswertes machen und damit etwas in die richtige Richtung bewegen. Diesmal habe ich das Vergnügen, mit Franziska von der Windelei zu sprechen, die ich im Café Blá beim Crowdfunding-Frühstück kennengelernt habe.

Liebe Franziska, stell dich doch mal vor. Wer bist du und was machst du?

Ich bin die Franziska, bin Mama von einem zweijährigen Sohn und wohne mit meiner Familie in München. Derzeit bin ich in Teilzeit im Marketing in der Automobilbranche angestellt und möchte außerdem in München einen Stoffwindelservice anbieten.

Hallo, Franziska! :-)

Wie kam es dazu?

Zum einen natürlich, weil ich schwanger geworden bin. Zu der Zeit haben wir gerade angefangen, uns mit dem Thema Müllvermeidung auseinanderzusetzen und plastikfrei einzukaufen.

Die Idee, Wegwerfwindeln zu kaufen, fand ich ganz grausam. Man sagt, 8-10% von unserem Gesamtrestmüll sind Windeln! Das kann man nicht recyceln und das wird verbrannt. Ich habe dann wochenlang recherchiert und wir haben beschlossen, es mit Stoffwindeln zu probieren. Am Anfang hat man da natürlich viele Fragen und Unsicherheiten und bekommt auch Vorurteile zu hören. Aber wir haben gesagt, wir versuchen das und sehen dann, wie es funktioniert. Dann war der Anton da und es hat sofort super funktioniert. Sogar die Hebamme war begeistert. Mittlerweile ist Anton zwei Jahre alt und auch schon trocken.

Zur Selbständigkeit kam es dann, weil ich in der Elternzeit mit vielen Mamas gesprochen habe und der Wunsch entstanden ist, etwas Sinnvolles zu machen, auch weil ich mich mit meinem Job und der Branche nicht mehr so identifizieren konnte. Und klar mache ich mir auch Gedanken, wie sich später der Job mit Familie vereinbaren läßt.

Wie kam es dazu, eine eigene Windel zu entwickeln? Ist dir an den vorhandenen irgendwas aufgefallen?

Nee, da steckt wirklich mehr der Servicegedanke dahinter. Viele junge Eltern schrecken vor Stoffwindeln zurück, zum einen wegen Vorbehalten, und dann ist da der ganze Arbeitsaufwand. Bei uns wurde während der Wickelzeit der Wäscheständer nie abgebaut. Das wollen wir mit dem Windelservice abnehmen und dadurch noch viel mehr Leute überzeugen. Und natürlich spielt bei uns auch die Nachhaltigkeit über die gesamte Kette eine Hauptrolle.

Was macht denn eine Stoffwindel aus?

Es gibt einen nässeschützenden Teil und einen saugenden Teil, der bei uns aus Biobaumwolle oder Biohanf ist. Und ganz innen noch das Windelvlies, das mit dem großen Geschäft in der Toilette entsorgt wird. Das ist aus kompostierbarem Zellstoff, ähnlich wie Toilettenpapier. Die Außenwindel hat eine hauchdünne Polyesterschicht, die zwar keine Nässe durchläßt aber atmungsaktiv ist. Die Haut kann atmen und dadurch entstehen auch keine Gerüche. Im Gegensatz dazu schließen Wegwerfwindeln luftdicht ab; das Klima begünstigt Windeldermatitis und die Temperatur ist innen auch höher, was für Jungs nicht ideal ist. Wir arbeiten rein mit natürlichen Stoffen, ohne Chemie an der Babyhaut. Oft ist das Vorurteil gegenüber Stoffwindeln, daß das riechen würde. Aber wenn man mal eine Wegwerfwindelpackung aufreißt und daran riecht, dann ist das richtig kraß, dieser Chemiegeruch.

Ein Teil der Windelei-Kollektion inklusive Stillpads und einer Wickeldecke

Wie ist der Ablauf bei eurem Service?

Wir haben da sogenannte Wetbags, in denen die Windeln gesammelt werden. Das große Geschäft wird in der Toilette entsorgt, es kommen also Windeln mit Pipi dran in die Taschen. Die Luftdurchlässigkeit verhindert, daß Ammoniak entsteht. Wir kommen einmal in der Woche zum Abholen und bringen frische Windeln vorbei.

Ist dir irgendwas aufgefallen, daß die Kinder das anders annehmen als normale Windeln?

Definitiv: Die Kinder bekommen eine Rückmeldung, was passiert, wenn sie Pipi machen. Dadurch behalten sie das natürliche Gefühl, was häufig dazu führt, daß sie schon früher trocken werden. Anton ist zB mit zwei Jahren der Einzige in der KiTa, der in dem Alter schon trocken ist.

Wo steht ihr jetzt gerade mit der Windelei?

Die Windelei ist in Berlin schon am Markt. Meine Mitgründerin Sonja beliefert schon seit Ende letzten Jahres jede Woche Familien mit Windeln. Das Konzept „Stoffwindeln“ ist ja nichts Neues, wir haben es nur neu gedacht. Das geht von der Auswahl der Firmen über die Herkunft der Materialien und kurze Transportwege bis hin zur Auswahl der Bank. Wir produzieren in der EU oder sogar in Deutschland, wir nutzen nur Bio-Baumwolle, drucken unsere Flyer bei der Umweltdruckerei, achten auf kurze Transportwege und hohe Sozialstandards. Es ist zB gar nicht so leicht, Firmen in der EU zu finden, die für uns nähen können, weil fast alle Firmen heute in Pakistan nähen lassen. Aber das kommt für uns nicht in Frage. Deshalb schauen wir uns da auch gerade diverse soziale Projekte an und wägen Verschiedenes ab.

Gewaschen wird in der Wäscherei. Ich war erst gestern wieder da und bin begeistert, wie ressourcenschonend die waschen können. Das geht mit der Haushaltswaschmaschine einfach nicht. Auch bei den Waschmitteln sind wir so hautfreundlich und ökologisch wie möglich, natürlich unter Einhaltung der Standards des Robert-Koch-Instituts. Da braucht man sich wegen der Hygiene überhaupt keine Gedanken zu machen.

Der Willi ist immer dabei

Warst du gut in der Schule?

Ja, aber mir fielen vor allem Fächer leicht, wo man etwas üben und anwenden konnte, nicht so sehr die Lernfächer. Deswegen hatte ich Mathe und Englisch als Leistungsfächer und konnte nicht so viel mit Erdkunde oder Geschichte anfangen.

Wer war der beste Lehrer, den du je hattest?

Ich hatte ein paar gute Lehrer, aber würde da einen ehemaligen Vorgesetzten nennen. Ein Norweger aus dem Kommunikationsbereich. Der ist in die Abteilung neu reingekommen und hat es einfach verstanden, die Leute hinter sich zu stellen. Der konnte gut zuhören, hat offen kommuniziert, war sehr integer und auch selbst überzeugt von dem, was er gemacht hat. Das ist die Führungsfigur, von der immer noch alle sprechen, obwohl er schon seit Jahren nicht mehr im Unternehmen ist.

Gelernt habe ich von dem, wie man mit Menschen kommuniziert und in einem Team erkennt, was jeder Einzelne beitragen kann, wie man diese Leute auch nutzt und ihnen dabei das Gefühl gibt, wertgeschätzt zu werden.

Ich bin jetzt auch nicht der super extrovertierte Typ, aber mir fällt es wiederum nicht schwer, in einer größeren Runde darüber zu sprechen, was ich mache, weil ich selbst davon überzeugt bin und es mir am Herzen liegt.

Was bedeutet Erfolg für dich?

Jemand, der erfolgreich im Leben ist, verfolgt seine Träume und spielt sie nicht nur im Kopf immer wieder durch. Wenn ich am Ende sagen kann: Ich habe das gemacht, was ich wirklich wollte und dabei auch noch was für andere bewegt, dann ist das für mich Erfolg.

Was liest du, was hörst du?

Ich mag die Reihe von Elena Ferrante ganz gern. Das erste Buch heißt „Meine geniale Freundin“. Die Reihe handelt von zwei Freundinnen, die in Sizilien gemeinsam aufwachsen. Kinderzeit, Familiengründung und das ganze Leben hindurch. Ein ganz spannnendes Buch, das einerseits die Beziehung und die Unterschiede zwischen den Beiden beleuchtet und auf der anderen Seite Neapel und den Mafiahintergrund.

Hören tue ich momentan gern den Podcast „Leben mit Kindern“.

Wenn du eine beliebige Person der Geschichte treffen könntest, wer wäre das?

Das ist ja auch wieder eine Frage… (lacht) Im Moment würde ich glaube ich die Greta Thunberg treffen wollen, weil mich die Person fasziniert – abgesehen von dem, was sie da Tolles ins Rollen gebracht hat. Wie man in dem Alter sich so für ein Thema begeistert und die Energie hat, die Initiative zu ergreifen, obwohl sie ja mittlerweile auch angefeindet wird. Ich frage mich, was das gerade so mit ihr anstellt, und würde gerne herausfinden, was das Feuer so in ihr geweckt hat, damit man das vielleicht auch weitergeben kann an die eigenen Kinder.

Was hast du in den letzten 24 Stunden gelernt?

Gestern habe ich telefoniert mit jemandem und war gerade eigentlich woanders mit meinen Gedanken. Die Person hat mir nebenbei erzählt, daß sie gerade ihre Bachelorarbeit abgegeben hat. Mir ist abends beim Yoga erst eingefallen, daß ich da gar nichts dazu gesagt hatte und ich hab dann der Person nochmal geschrieben, weil mir das so wichtig war.

Ich habe gestern also gelernt, daß man, auch wenn man gerade mit irgendeinem Thema total beschäftigt ist, ein bißchen mehr drauf achtet, was den anderen gerade beschäftigt und sich mehr drauf einläßt.

Was tust du zum Entspannen?

Sport. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gern in die Berge. Wandern, Skifahren, Skitouren abseits der Pisten, wo der Hund auch mit dabei ist. Das Kind wird auch schon mit der Kraxe rumgetragen. Von so einem Tag kann man ne ganze Woche zehren. Wenn nicht so viel Zeit ist, dann gehe ich abends eine Runde laufen.

Hast du eine Morgenroutine?

Die ist momentan ziemlich durch meinen Sohn bestimmt, aber wir nehmen uns immer die Zeit, miteinander zu frühstücken. Mir ist auch wichtig, daß mein Sohn das mitkriegt: Zeit mit der Familie, Struktur… außerdem mag ich das auch persönlich, wenn man nochmal kurz Pause hat, bevor das tägliche Gerenne losgeht.

Was ist dein Wort?

Hmm, da habe ich noch nie so drüber nachgedacht. Aber spontan würde ich sagen: Motivation. Wenn man etwas macht, dann sollte man das auch aus sich selbst heraus gern machen und voll und ganz dabei sein.

Und wenn es mal nicht so klappt mit der Motivation?

Dann hilft es, sich vor Augen zu führen, wie man sich fühlt, nachdem man es erledigt hat.

Hast du einen Lieblingsort?

Definitiv in den Bergen. Ein Gipfel oder eine schöne Almwiese mit Ausblick. Dann packt man da seine Brotzeit aus, der Hund springt in der Wiese rum, mein Freund und mein Sohn sitzen neben mir, dann paßt alles. Das ist dann auch egal, wo genau das ist.

Was treibt dich um?

Das ganze Nachhaltigkeitsthema. Wenn man selbst ein Kind hat, kommt automatisch die Frage auf, welche Welt man der nächsten Generation übergibt.

Wie geht es jetzt weiter mit der Windelei?

Wir wollen zum September in München starten und machen ab 2. April das Crowdfunding unter www.startnext.com/stoffwindel dafür. Ziel ist es, Geld zusammenzubekommen, um die Windeln für München anschaffen zu können. Ab September kann man den Service dann in Anspruch nehmen.

Wo finden man euch noch so online und offline?

Auf der Website windelei.de sowie auf Facebook (@Stoffwindelservice) und Instagram (@windelei_stoffwindelservice)

Offline kann man uns Anfang April beim Heldenmarkt treffen, am 6./7. April im MVG-Museum. Und dann dürfen wir uns jeweils an den Samstagen vor und nach Ostern in den Ohne-Läden in der Rosenheimer Straße und in der Schellingstraße präsentieren. Wir haben auch den Willi (Anm.: Stoffpuppe) dabei und da kann man gerne auch probewickeln, die Windeln anfassen und Vorurteile abbauen.

Liebe Franziska, vielen Dank für dieses tolle Interview und alles Gute für den Start!

Danke, ihr Beiden!

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Über Birgit:

Pferdemensch, Vegetarier, Naturkind durch und durch.
Nach Ausbildungen in Pferdewirtschaft und Mediengestaltung und mehrjähriger Berufspraxis habe ich meine Leidenschaft, die Fotografie, zum Beruf gemacht. Mehr…

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